Michael Ehn

Die Familie Spielmann - eine österreichische Tragödie

Untersucht man die Schicksale jüdischer Familien im Wien des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jhdts., so müssen besonders die großen zeitgeschichtlichen Ereignisse berücksichtigt werden, die das Leben dieser Menschen nachhaltig beeinflussten und prägten. Denn gerade das Schicksal der Spielmanns ist charakteristisch für eine jüdische Familie altösterreichischer Herkunft, die im Nationalsozialismus tragisch endete, durch den sie auf der Flucht über ganz Europa verstreut wurde, und dem trotzdem nicht alle Familienmitglieder entkommen konnten. (1)

In den siebziger Jahren des 19. Jhdts. kam Moriz Spielmann, der aus Nikolsburg (heute Mikulov), einem mährischen Städtchen nahe der österreichischen Grenze stammte, nach Wien. Wien war in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. die Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie, deren gewaltige Peripherie im Nordwesten bis Eger und Reichenberg (Böhmen), im Nordosten bis Brody und Tarnopol (Galizien), im Südosten bis Kronstadt (Siebenbürgen), im Süden die adriatische Küste entlang bis Ragusa (Dalmatien) und im Südwesten bis Trient reichte. Mehr als 50 Millionen Menschen lebten in diesem Vielvölkerstaat - Deutsche, Ungarn, Italiener, Serben, Kroaten, Rumänen, Polen, Tschechen, Slowaken und Juden, um die größten Volksgruppen zu nennen. Wiens Attraktivität als ökonomisches und geistiges Zentrum dieses Riesenreiches strahlte in alle Teile der Monarchie. Bereits im 18. Jhdt. setzte eine immer stärker anwachsende Migrationsbewegung in die Hauptstadt ein. Das Verfassungsgesetz von 1867 (Schaffung der Doppelmonarchie Österreich - Ungarn) und der interkonfessionelle Ausgleich 1868 brachten die völlige Gleichberechtigung der Juden zumindest de jure. Aus allen Teilen der weitläufigen Monarchie, in denen sie nach wie vor benachteiligt waren, und später vor allem aus Galizien und Russland, das sogar offiziell Pogrome abhalten ließ, strömten nun (2) Juden in das Zentrum des Reiches , in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und um der Not und dem Elend zu entkommen.

Hier lernte Spielmann die um zehn Jahre jüngere Cäcilie Neustadtl, ebenfalls jüdischer Herkunft, aus dem Dorf Veröcze in Slawonien stammend, kennen, die er 1879 heiratete. Spielmann arbeitete als Redakteur beim Illustrierten Wiener Extrablatt und Literaturkritiker, zudem fungierte er als Herausgeber und war Mitarbeiter an weiteren Zeitschriften, wie dem Fremdenblatt. Die jahrhundertelange Reduktion auf einzelne Berufssegmente (3) prägte die Berufsstruktur der Wiener Juden im 19. und 20. Jhdt. noch stark. Dazu kam das starke Streben, besonders ihren Kindern Bildung zu vermitteln, die den sozialen Aufstieg ermöglichen sollte. So war das typische Berufsbild um die Jahrhundertwende das des Händlers aller Art (besonders in den Bereichen Textil und Spirituosen), des Arztes, Rechtsanwalts und auch des Zeitungsredakteurs. In den folgenden dreizehn Jahren wurden dem Paar sechs Kinder geboren. Die Lebensverhältnisse der Spielmanns waren von Armut geprägt, zahlreiche Umzüge innerhalb der Leopoldstadt, dem Bezirk mit dem größten Anteil an Juden in Wien, mußten vorgenommen werden. Jedes Kind wurde in einer anderen Wohnung geboren, so Leopold 1881 in der Fugbachgasse 17, Rudolf 1883 in der Kaiser Josef Str. 12 (heute Heinestraße), Melanie in der Darwingasse 8 und Jenny in der Nordwestbahnstrasse Nr. 33. Es ist bemerkenswert, daß diese Häuser immer nur wenige hundert Meter auseinanderlagen und daß sie alle heute noch existieren, zum Teil in unverändertem Zustand. Es sind typische Wiener Zinshäuser mit kleinen Wohnungen (Zimmer - Küche oder Zimmer - Küche - Kabinett), Toilette und Wasser am Gang, mit dunklen Innenhöfen, in denen Wäsche aufgehängt wurde, sich Gerätschaften aller Art befanden und wo wohl auch die ersten Spielplätze der Kinder zu suchen sind. Religion spielte in der Familie keine besondere Rolle; Moriz war ohne Konfession, so wie später auch Rudolf, während Leopold, wohl unter dem Eindruck sakraler Musik, als junger Mann zum Katholizismus wechselte. Moriz Spielmann wird als eigenwilliger, schwieriger Mensch geschildert, der gern wanderte und, wie es damals zur Alltagskultur hauptsächlich jüdischer Journalisten gehörte, gern in Kaffeehäusern saß und dort auch leidenschaftlich Schach spielte. Seinen beiden ältesten Söhnen dürfte er das Spiel etwa in ihrem vierten oder fünften Lebensjahr beigebracht haben, anfangs spielten sie oft gegeneinander und sollen beide begabte und begeisterte Schachspieler gewesen sein.

Zunächst erregte jedoch die große musikalische Begabung des ältesten Sohnes Leopold gewaltige Aufmerksamkeit. Seine Mutter, die selbst als kluge und feinfühlige Künstlerin galt, entdeckte sein Talent, als Leopold erst drei Jahre alt war und ließ ihn von den besten Lehrern, die sie finden konnte, unterrichten. Er galt als Wunderkind, von dem selbst Anton Rubinstein der später sein Lehrer wurde, begeistert war. Dieser machte ihn mit der kaiserlichen Familie, insbesondere mit der Erzherzogin Marie Valerie, einer Tochter Kaiser Franz Josephs bekannt, die sich sehr für Musik und Kunst interessierte. Die Erzherzogin förderte den kleinen Spielmann und er wurde im Sommer 1890 eingeladen, im Schloß Lichtenegg Proben seines Könnens zu geben. Am 7. 8. 1891 fand in der Kaiservilla am Gries eine derartige Veranstaltung statt:

„Vergangenen Freitag erhielt der jugendliche Pianist eine Einladung, mit seiner Mutter in der Kaiservilla am Gries zu erscheinen. Präcise zur anberaumten Stunde befand sich Poldi Spielmann in dem großen, hellerleuchteten Salon. In der Mitte des großen Raumes stand ein Bösendorfer-Flügel, um welchen im Halbkreise acht Fauteuils gruppirt waren. Zuerst trat Frau Erzherzogin Marie Valerie mit ihrer Hofdame Gräfin Kornis in den Salon und begrüßte leutselig ihren Schützling. Die hohe Frau erkundigte sich nach seinen Fortschritten und ob er fleißig Etuden spiele. Dann lobte die Frau Erzherzogin das gute Aussehen des Knaben. Einige Minuten später erschien Prinzessin Gisela mit ihrem Gemale dem Prinzen Leopold von Baiern, welcher die österreichische Obersten-Uniform angelegt hatte. Mit den königlichen Hoheiten waren deren vier Kinder: die Prinzessinnen Elisabeth und Augusta, dann die Prinzen Georg und Conrad, gekommen. Die hohen Herrschaften nahmen auf den Fauteuils Platz, worauf der Claviervortrag begann. Der 'kleine' Poldi hatte folgendes Programm gewählt: Sonate von Beethoven Rondo in A-moll von Mozart Nocturne von Chopin Tarantella von Heller Valerie-Serenade von Poldi Spielmann. Die letztgenannte Composition hatte Spielmann seiner hohen Gönnerin anläßlich deren im Vorjahre stattgehabter Vermählung gewidmet. Nach jeder Programmnummer wurde lebhafter Beifall laut. Der jugendliche Pianist hatte jedes Musikstück 'frei nach dem Gedächtnisse' gespielt und erntete für seine musikalische Auffassung und die gelungene Wiedergabe allgemeine Anerkennung. Nach einer Stunde war der Vortrag zu Ende.“ [Illustriertes Wiener Extrablatt 11. 8. 1891]

Am 8. November 1891 bringt dieselbe Zeitung eine weitere Skizze über das Wunderkind Poldi Spielmann, wobei sein Auftritt vor dem Kaiser selbst geschildert wird, Daten und Orte aber offensichtlich verwechselt werden:

„Alljährlich zur Sommerszeit wird dem Wunderkinde Poldi Spielmann eine hohe Ehre zutheil. Seine erlauchte Protectorin, die Frau Erzherzogin Marie Valerie, die feinsinnige Schutzfrau des kleinen Pianisten beruft ihn in die Ischler Kaiservilla, welche einfach schön, still behaglich am Fuße des Jainzen gelegen ist. Die Frau Erzherzogin, selbst eine Dichterin, lauscht gern den Offenbarungen der Dichter und Sänger und nimmt freudig die Darbietungen talentbegnadeter Menschen entgegen. Der Rubinstein in Duodez-Ausgabe ist sich aber auch bewußt, welche Sonne seinen Künstlerweg vergoldet, und trachtet und strebt, ein ganzer und gediegener Clavier-Virtuose zu werden. Am 10. August dieses Jahres ist dem Wunderkinde eine ganz besondere Auszeichnung (zutheil) geworden. Er wurde, wie den Lesern aus unserem damaligen Berichte bekannt, in die Kaiser- Villa berufen, um dort vor dem Kaiser einige Proben seiner Kunst zu geben. Die vorstehende, nach einem Bilde von Ledeli angefertigte Illustration veranschaulicht die Scene, da der 'kleine' Poldi Spielmann in Gegenwart des erhabenen Förderers alles Schönen und Edlen, seiner Majestät des Kaisers und in Anwesenheit der Frauen Erzherzoginnen Gisela und Valerie, dann der Kinder der Frau Erzherzogin Gisela auf dem Claviere sich producirt. Das Programm umfaßte zumeist classische Tondichtungen und enthielt auch die Valerie-Serenade, welche der jugendliche Pianist zu Ehren seiner erlauchten Protectorin componirt hatte. Der Knabe, hinter dessen Stuhl seine Mutter platzgenommen hatte, nahm seine ganze Kraft zusammen. Er spielte frei aus dem Gedächtnisse und erntete lebhaften Beifall.“ [Illustriertes Wiener Extrablatt 8. 11. 1891, Titelseite]

Dieses heute leider verschollene Gemälde von Moritz Ledeli zeigt den zehnjährigen Leopold Spielmann am Flügel, links dahinter seine Mutter, rechts davor Kaiser Franz Joseph, die Erzherzoginnen Valerie und Gisela und deren Kinder (4). Eine große musikalische Karriere schien ihren Anfang zu nehmen. Leopold ging mit seiner Mutter auf Tournee quer durch Europa: von Deutschland bis nach Russland bewunderte man die Auftritte des Knaben. Knapp vor der Jahrhundertwende wurde Leopold, nun schon ein virtuoser Pianist, eingeladen, eine große Konzerttournee durch die USA zu geben. Aber er mußte das Angebot ausschlagen, da seine Mutter inzwischen schwer erkrankt war und er sich um die jüngeren Geschwister kümmern mußte, für die er sorgte. Die drei Töchter Melanie, Jenny und Irma wurden zu Schauspielerinnen ausgebildet - besonders die beiden erstgenannten waren bereits als Kinder Schauspielerinnen und zeigten großes Talent. Der jüngste Sohn Edgar hatte es schwer, denn seine Mutter starb, als er noch fast ein Kind war, an einem Leberleiden. Die Familie wohnte damals, knapp nach der Jahrhundertwende, bereits in einer besseren Wohnung im achten Bezirk, Josefstädterstraße 14. Das Gebäude, ein riesiges Zinshaus in der Nähe des Theaters an der Josefstadt, präsentiert sich heute in beinahe unverändertem Zustand. Edgar wollte durchaus Arzt werden, obwohl das Geld fehlte. So arbeitete er am Tag als Kontorist und studierte nachts Medizin. Körperlich erschöpft und wahrscheinlich an Schizophrenie leidend, verübte er in der psychiatrischen Anstalt „Am Steinhof“ in Wien 1917 Selbstmord. Melanie und Jenny erhielten feste Engagements als Schauspielerinnen in München. Rudolf sollte zum Kaufmann oder Mathematiker ausgebildet werden, da er in diesem Fach gute Leistungen in der Schule zeigte, aber das Schachspiel hatte schon in seinen jungen Jahren von ihm Besitz ergriffen. Interessanterweise stand sein Talent für das Schach im Schatten des Talents seines Bruders, den er im übrigen sehr bewunderte. Rudolf übersiedelte um die Jahrhundertwende nach München, wo seine beiden Schwestern ansässig geworden waren. Besonders mit Jenny verband ihn eine enge Freundschaft, die sich auch dadurch äußerte, daß er ihr häufig von Turnieren schrieb. So z.B. die folgende Postkarte vom großen New Yorker Turnier 1927:

„New York, 25. 12. 1927 Liebste Jenny! Das Turnier ist beendet und hat für mich ein leider nur mäßiges Resultat ergeben, wenn auch dasselbe mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Spielstärke nicht gerade als ungünstig bezeichnet werden kann. Ich gebe noch 2 Vorstellungen und werde mich am 2. April mit dem französischen Riesendampfer 'France' nach Havre einschiffen. Aljechin und Vidmar werden den gleichen Dampfer benützen. Am 8. oder 9. April komme ich nach Havre, wo ich über Paris und München nach Wien reisen werde. Doch ist meine Ankunft in Wien erst nach dem 15. April zu erwarten.
Herzliche Grüße an Dich und Franz von Deinem Rudi“

Jenny heiratete den Schauspieler Franz Scharwenka, Melanie den Inhaber mehrerer Banken, Heinrich Eckert, der jedoch sein großes Vermögen bald verlor. Melanie starb infolge einer schweren Krankheit bereits mit 42 Jahren.

Leopold Spielmann war inzwischen ein bekannter Pianist und Dirigent geworden. Er hatte in Wien unter Prof. Prosniz am kaiserlichen Konservatorium, dann auf der Münchner Akademie unter Stavenhagen studiert. Später nahm er in Berlin bei Busoni zu seiner weiteren Vervollkommnung Unterricht. Dort heiratete er seine Klavierschülerin Gertrud Lüdtke. Fünf Kinder wurden in Berlin geboren: Leo, der bald nach der Geburt starb, Helmuth, (5) Irmgard, Lilly und Ilse. Nach dem Ersten Weltkrieg ging er mit seiner Familie nach Göteborg, wo er ein Orchester leitete und wo die Bedingungen für Künstler besser waren als im kriegsverwüsteten Nachkriegsdeutschland. Auch Rudolf lebte hier einige Zeit. 1928 ging die Familie nach Berlin zurück, wo das jüngste Kind, Ilse, geboren wurde.

Rudolf war inzwischen zu einem Großmeister von Weltklasse aufgestiegen: Als einer der aktivsten Schachprofis nahm er an mehr als 100 Turnieren teil und bestritt 50 Wettkämpfe. In St. Petersburg 1909 teilte er den dritten Platz mit Oldrich Duras hinter Emanuel Lasker und Akiba Rubinstein. 1912 gewann er das Turnier von Abbazia, wo das angenommene Königsgambit als Eröffnung vorgeschrieben war. Savielly Tartakower bezeichnete ihn nach diesem Erfolg als „den letzten Ritter des Königsgambits“, ein Titel der ihm zeitlebens und darüber hinaus erhalten blieb. Im selben Jahr wurde er Zweiter in San Sebastian. Im Ersten Weltkrieg diente er in der k. u. k. Armee, den Kriegsdienst beendete er im Rang eines Landsturmleutnant an der italienischen Front. 1919 gewann er das das Viererturnier von Stockholm und teilte den ersten Platz mit R ti in Teplitz- Schönau 1922. Spielmann war kein Verfechter des hypermodernen Schachs, er knüpfte vielmehr direkt an romantische Traditionen an: Öffnung des Spiels und direkter Königsangriff. Das brachte ihm den Ruf, einer der weltbesten Angriffspieler zu sein. Er gestand freimütig ein, daß sein Kombinationsspiel oft rein intuitiv, nicht völlig auskalkulierbar war. Gingen aber seine taktischen Konzepte nicht auf, verlor er schnell das Selbstvertrauen, was oft zu schlechten Turnierergebnissen führte. Als er daran ging, diese Defekte seines Spiels zu beheben, konnte er sich unter die besten zehn Spieler der Welt platzieren: In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre erreicht er seine größten Erfolge - Sieg am Semmering 1926 vor Alexander Aljechin, Milan Vidmar, Aaron Nimzowitsch und Akiba Rubinstein; dritter in Berlin 1928 und zweiter in Karlsbad 1929 hinter Aaron Nimzowitsch. Die 30iger Jahre brachten ein allmähliches Nachlassen der Spielstärke - er schlägt sich recht und schlecht durch. Manchmal gibt er in kleinen Wiener Schachklubs Simultanvorstellungen um ein Abendessen. Im Gegensatz zu seinem aggressiven Spiel am Brett war Spielmann im Leben ein melancholischer, von Selbstzweifeln geplagter Mensch. Dieser genügsame und bescheidene Mann, der nur für das Schachspiel lebte, das ihn durch die ganze Welt führte, hatte selbst nie geheiratet, aber seine Nichten hatte er ins Herz geschlossen und besuchte sie, wann immer er anläßlich eines Schachturniers in ihrer Nähe war. Diese erinnern sich auch heute noch besonders gern an die Treffen mit ihrem geliebten „Onkel Rudi“, der für Spiele wie „Blinde Kuh“ herhalten und stundenlang Anekdoten über berühmte Schachmeister erzählen mußte. In seinem berühmten Werk, „Richtig Opfern“, Leipzig 1935, vertrat Rudolf Spielmann leidenschaftlich sein schachliches Credo, daß das Schachspiel eine Kunstform sei, wobei seine Schönheit primär in überraschenden Kombinationen und Opfern bestehe.

Die Tragödie der Familie Spielmann begann aber bereits 1933, als sich Leopold bald nach der Machtergreifung durch das NS- Regime zur Auswanderung aus Deutschland gezwungen sah. Ohne gültige Pässe flieht die Familie 1934 von Berlin nach Prag, wo entfernte Verwandte leben. Schwierige Jahre folgen: Spielmann erhält keine Engagements mehr, nur mit viel Mühe kann er durch privaten Klavierunterricht und kleine Konzerte die Familie über Wasser halten. Rudolf hielt sich seit 1934 nicht mehr oft in Österreich auf, das nun ein autoritärer Staat ist, sondern in Holland, wo mittlerweile seine beiden Schwestern lebten, und wo er durch Max Euwe Schachengagements erhält. Den Anschluss Österreichs an Deutschland erfährt er während einer Tournee durch Holland. Mit seinem ungültig gewordenen Pass kommt er noch in die Tschechoslowakei, um der Familie seines Bruders nahe zu sein. Aus Prag schreibt er im Dezember 1938 den folgenden verzweifelten Brief:

„Prag, 10. XII. 1938 Lieber Herr Collijn! Ich habe schon lange nichts mehr von Ihnen gehört, hoffe aber, dass Sie sich des besten Wohlbefindens erfreuen. - Ich hoffe auch, dass Sie für mich so viel Interesse bewahrt haben, um einen kurzen Bericht über meine Lage entgegenzunehmen. Dieselbe ist mehr als traurig, denn ich wurde nicht nur aus Österreich, meiner geliebten Heimat, für immer vertrieben, sondern es wurde mir obendrein meine Reisefreiheit genommen. Fast alle Schachländer der Welt haben sich hermetisch gegen Emigranten und Flüchtlinge abgeschlossen, niemand lässt mich mehr mit meinem wertlos gewordenen Österreichischen Pass hinein. Seit etwa ½ Jahre koste ich alle Leiden dieser unschuldig umherirrenden Menschen aus, ohne auch nur mit dem kleinsten Betrag unterstützt zu werden. Nur die Hoffnung, dass ich schliesslich doch wieder ein Schachengagement und ein Asyl finden werde, hält mich aufrecht. Wäre es nicht möglich dass Sie sich meiner ebenso wie seinerzeit im Jahre 1919 annehmen und mir irgend ein Schachengagement in Stockholm oder sonstwo in Schweden verschaffen? Es handelt sich nicht um einen dauernden Aufenthalt. Ich möchte Schweden nur als Übergangsland benützen, um mich moralisch und schachlich aufzurichten und um meine Kräfte für spätere Unternehmungen zu sammeln. Vielleicht könnte ich dann nach England oder Amerika auswandern. Ich bitte Sie vielmals, lassen Sie mich nicht im Stich und verhelfen Sie mir zu einem menschenwürdigen Dasein. Ich wäre mit den denkbar bescheidensten Bedingungen einverstanden, wenn ich mich nur irgendwie betätigen könnte. Die Einreisebewilligung wäre wohl leicht durch den schwedischen Schachverband zu erreichen, nur müsste in Stockholm für mich angesucht werden. Über sonstige Details könnten wir uns noch verständigen. Die Hauptsache bleibt, dass ich aus dieser Hölle von Mitteleuropa endlich herauskomme. Der Antisemitismus macht sich auch schon in Prag breit und raubt mir jede Lebensmöglichkeit. Nochmals flehe ich Sie bei unserer 30-jährigen Bekanntschaft an, sich meiner anzunehmen und mir möglichst gleich zu antworten, damit ich weiss, ob ich noch hoffen darf. Meine Adresse lautet: Praha - Bubenec, Narodni obrany 7, pensiony. Herzliche Grüsse von Ihrem stets dankbaren und ergebenen Rudolf Spielmann“ (6)

Dieses Schreiben war an den schwedischen Mäzen und Schachliebhaber (7) Ludvig Collijn gerichtet. Spielmann lebte im Herbst 1938 in einer schäbigen Prager Pension (eine Art Obdachlosenheim) - der berühmte Großmeister stand im 56. Lebensjahr vor den Trümmern seiner Existenz: Völlig verarmt, ohne Betätigungsmöglichkeit, ohne Reisepass und mit nur geringer Hoffnung, in ein neutrales Land gelangen zu können - die vollständige Besetzung der Tschechoslowakei durch Großdeutschland zeichnete sich bereits ab. Die Familie wird nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Prag im März 1939 auseinandergerissen. Rudolf gelingt es im letzten Moment, nach Schweden zu entkommen. Leopold und seine Frau planten, über England nach Toronto (Kanada) auszuwandern, wo Leopold eine Engagement am Konservatorium angeboten wurde. Inzwischen gelingt es ihren Töchtern Lilly und Ilse unter abenteuerlichen Umständen zehn Tage nach der Okkupation der Tschechoslowakei nach England zu flüchten. Lilly Gill-Spielmann schildert 57 Jahre später die tragischen Tage und Wochen:

„Mein Vater hatte zwei hilfsbereite und resolute Damen in Prag kennengelernt, die beide der Religionsgemeinschaft der Quäker angehörten und die uns durchaus helfen wollten. Es wurde beschlossen, uns Kinder vorauszuschicken, dann könnte mein Vater ohne Familienanhang leichter jemanden finden, der die Garantie für seinen Zwischenaufenthalt in England übernehmen würde, denn ohne eine derartige Garantie bekam man kein Visum. Ein Posten am Konservatorium in Toronto (Kanada) schien für meinen Vater durchaus möglich. Für meine Schwester Ilse und mich wurden englische 'Guardians' in Gestalt von Prof. Sir Nevill Mott, einem Professor für Physik, und seiner Frau gefunden. Sie wollten alle Pflichten und Verantwortung für uns übernehmen und bald waren die Einzelheiten besprochen. Inzwischen kam der entsetzliche Tag der Invasion. Von unserem Fenster aus konnten wir den Einmarsch der Deutschen in Prag sehen. Die Angst war unbeschreiblich, die Menschen waren verwirrt, in ihren Gesichtern konnte man die Hoffnungslosigkeit erkennen. Drei Mal erhielten wir per Telefon eine kurze Mitteilung, zu einer bestimmten Zeit am Hauptbahnhof zu sein, auf einem bestimmten Bahnsteig zu warten und nur einen kleinen Koffer mit den allernotwendigsten Sachen mitzubringen. Der Bahnhof war mit hunderten, vielleicht tausenden von aufgeregten Menschen gefüllt. Überall war Angst und Panik zu spüren. Zweimal kamen wir umsonst. Beim dritten Mal klappte es. Der Abschied von unseren Eltern war furchtbar, denn innerlich wußte man, daß es vielleicht kein Wiedersehen geben würde. Ich als die Ältere (16) mußte natürlich, so gut ich konnte, meine kleine Schwester Ilse (11) beschützen. Die beiden englischen Damen befanden sich im Zug, aber man mußte sehr vorsichtig sein, durfte kein Wort sprechen und mußte so tun, als ob man einander nicht kennen würde. Ich wußte, daß wir keine richtigen Reisepässe besaßen, denn wir waren ja seitdem wir von Berlin nach Prag geflüchtet waren, staatenlose Emigranten gewesen. Wir hatten nur sogenannte Reiseausweise, die Tessa Rowntree, eine unserer Retterinnen, von einem NS-Offizier einige Tage vor der Besetzung irgendwie erhalten hatte. Endlich am späten Nachmittag setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Mit uns im Coupé saßen weitere jüdische Flüchtlinge. Kein Wort wurde gesprochen. Plötzlich kam ein Mann in SA-Uniform und begann die Pässe zu kontrollieren. Als er unsere Dokumente ansah, schüttelte er den Kopf, starrte uns beide lange an und verschwand schließlich mit den Dokumenten. Ich befürchtete das Schlimmste und mir wurde schlecht vor Angst, aber ich mußte so tapfer wie möglich sein, auch wegen meiner kleinen Schwester. Endlich kam der Mann zurück, gab uns die Dokumente wieder, murmelte etwas Unverständliches und ging wieder. Nach zwei Stunden langsamer Fahrt blieb der Zug stehen, die Waggons wurden abgekuppelt. Das Licht ging aus und wir warteten sechs Stunden lang in Dunkelheit und Kälte ohne Nahrung und Getränke. Als wir vor Müdigkeit und Erschöpfung eingeschlafen waren, ging die Fahrt zur holländischen Grenze weiter. Wieder dauerte es viele Stunden, denn der Zug hielt viele Male an. An der Grenze hieß es plötzlich „Alle aussteigen!“, denn unser Gepäck sollte kontrolliert werden, bevor es uns erlaubt wurde, in den holländischen Zug umzusteigen. Die erschöpften Menschen mußten sich der Reihe nach aufstellen, wir beiden Kinder zuletzt. Die Koffer wurden einfach am Boden ausgeleert, der Inhalt verstreut. Nun spielten sich unbeschreibliche verzweifelte Szenen ab, da der holländische Zug schon in wenigen Minuten abfahren sollte und es unmöglich war, den Inhalt der Koffer so schnell wieder zusammenzusuchen. Ich hatte eine glückliche Eingebung: Ich winkte schnell einen Gepäckträger heran und gab ihm all mein Geld, das ich noch besaß, damit er mir und meiner Schwester, die von den furchtbaren Strapazen schon sehr mitgenommen war, helfe, den Zug zu erreichen. Er war ein einfacher Mensch, der Mitleid hatte, und so kamen wir wir gerade noch in den Zug. Viele andere Menschen jedoch, die nicht so schnell waren, blieben zurück. Der Zug setzte sich sofort in Bewegung, wir fuhren in schnellem Tempo über die Grenze und waren gerettet - ich konnte es vor Erschöpfung kaum fassen!“ [Interview vom 18. 10. 1995]

Nach vielen weiteren Strapazen erreichten die Kinder England und wurden von den Motts aufgenommen. Ein neues Leben beginnt für sie. Erst nach dem Krieg werden sie Mutter und Bruder wiedersehen. Es war geplant, daß die Eltern nachkommen sollten, doch fatalerweiser fand sich niemand, der für Leopold Spielmann die Garantie für den Zwischenaufenthalt in England unterschrieben hätte (die Garantiesumme betrug 100 Pfund). Seine Frau Gertrud versteckt ihn - länger als ein Jahr verläßt er die Wohnung nicht. Im Herbst 1939 wird er eines Morgens von der SS aus der Wohnung geholt und seine Frau verhaftet, weil sie versucht, ihren Mann zu retten und sich widersetzt. Leopold Spielmann stirbt 1941 im Konzentrationslager Theresienstadt. Ihr ältester Sohn Helmuth wurde ebenfalls in ein Konzentrationslager „für Mischlinge“ gebracht, das er zwar überlebte, aber ein körperliches Gebrechen davontrug (Rückenverkrümmung wegen der schweren Lasten, die er tragen mußte). Rudolfs beide Schwestern, Jenny und Irma waren ungefähr 1934 von Deutschland nach Holland geflohen, wo sie nun als Managerinnen eines Hotels arbeiteten. Nach dem Überfall Hitlers auf Holland wurden beide in ein Konzentrationslager gebracht und Irma sofort ermordet. Jenny überlebte das KZ, litt jedoch zeitlebens an schweren Depressionen und benötigte psychiatrische Hilfe. 1964 beging sie in München Selbstmord.

Rudolf kam Anfang 1939 in Stockholm völlig mittellos, aber noch nicht gebrochen, an. Er bewohnte ein möbliertes Zimmer in der Dröttningsgatan, von wo er den Kontakt seiner Schwägerin mit den nach England geflohenen Kindern herstellte, denn ein direkter Kontakt war natürlich unmöglich. Sein Mäzen Ludvig Collijn, der schon 1936 einen Herzinfarkt erlitten hatte, starb bald nach seiner Ankunft. Die Sorge um seine Schwestern sowie seinen Bruder und dessen Familie verursachten schwere Depressionen, Augenzeugen berichten auch von immer auffälliger werdenden körperlichen Gebrechen (Zittern der Hände und Sabbern des Mundes). Und doch war Rudolf Spielmann in dieser Phase noch voller verzweifelter Pläne: Er will so schnell wie möglich nach England, oder noch besser in die USA auswandern und arbeitet wie besessen für dieses Ziel, nimmt Simultanengagements an, spielt Turniere und Wettkämpfe und schreibt Kommentare für Schachzeitungen. Er versucht, den Auftrag für eine Neubearbeitung des „Lärobok“ zu bekommen, was aber abgelehnt wird. Vor allem aber schreibt er eifrigst an seinem Lebenswerk: Über Jahre hindurch hatte er in einem kleinen Köfferchen Notizen gesammelt, die nun in sein Buch „Memoiren eines Schachmeisters“, das anläßlich seines 40-jährigen Berufsjubiläums erscheinen sollte, einfließen sollen. Doch nun folgt jenes dunkle Kapitel, das sich aus der Sicht seiner nächsten Verwandten Gertrud und Helmuth, die unmittelbar nach dem Krieg nach Stockholm kamen, um Nachforschungen anzustellen und dort zu leben, anders anhört, als aus den Schilderungen seiner schwedischen Gastgeber: Diese Autobiographie soll ein Auftragswerk gewesen sein. Rudolf Spielmann wurde versprochen, daß er für seine Manuskripte und sein Lebenswerk die Mittel bekommen sollte, die er benötigte, um nach Amerika auswandern zu können. Dies war seine letzte Hoffnung, denn auch in Schweden erwartete man eine Invasion Hitlers. Der schwedische Schachverband war durchaus gespalten, zum Teil pronazistisch, zum Teil neutral, zum Teil antinazistisch. Die ständige Anwesenheit eines jüdischen Großmeisters war vielen ein Dorn im Auge und war, wie einige in vorauseilendem Gehorsam dachten, kein Ruhmesblatt. Spielmann schrieb unermüdlich, gab all seine Notizen und das Manuskript seinen uns heute unbekannten Auftraggebern und wurde von ihnen vertröstet bzw. hörte schließlich nichts mehr von ihnen. Bis heute bleibt es ein Rätsel, was mit seinem Nachlaß passiert ist, an wen und wohin er verkauft wurde, obwohl viele Spuren in die USA zu führen scheinen. Als kurz nach dem Krieg seine Schwägerin Nachforschungen anstellte, fand sie nichts mehr vor. Das eisige Schweigen der Zimmervermieterin und der Verantwortlichen im schwedischen Schachverband, vor allem Carl Levin, Erik Lundin und Erik Olson, die in diese Angelegenheit enger involviert waren, erregten zurecht das Mißtrauen der Familienangehörigen.

Rudolf Spielmann war offensichtlich um seine letzte Hoffnung betrogen worden, was sein Ende sehr beschleunigt haben dürfte. Die vermeintliche Okkupation der Deutschen vor Augen, seines einzigen Besitzes und damit all seiner Fluchtmöglichkeiten beraubt, soll sich der Wiener Großmeister nach Angaben seiner nächsten Verwandten in dieser aussichtslosen Lage in sein Zimmer eingeschlossen haben und nach einiger Zeit buchstäblich verhungert (8) aufgefunden worden sein.

Anmerkungen

1 Zum besseren Verständnis siehe den folgenden Stammbaum der Familie Spielmann:

Moritz Spielmann & Cäcilia Neustadtl
Redakteur 1879
23.8.1849 Nikolsburg / 23.3.1859 Veröcze
- 20.10.1924 Wien / - 4.5.1902 Wien
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Leopold Rudolf Melanie Jenny Edgar (Edi) Irma
Pianist Schachmeister Schauspielerin Schauspielerin Kontorist Schauspielerin
5.8.1881 5.5.1883 22.8.1885 11.7.1889 8.3.1887 10.4.1894
- 10.12.1941 - 20.8.1942 - ? 1927 - ? 1964 - 12.6.1917 - ? 10.1939
KZ Theresienstadt Stockholm München München Wien (Am Steinhof) KZ
& & &
Gertrud M Lüdtke Heinrich Eckert Franz Scharwenka
28.1.1888 Bankier Schauspieler
-13.5.1974
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Helmuth Irmgard Lilly Ilse
28.5.1912 1.9.1913 22.11.1922 16.3.1928
- 19.12.1991

2 Während um 1830 nur ca. 1600 Juden in Wien lebten, waren es 1848 bereits 4000. Danach begann eine Periode jüdischer Einwanderung nie gekannten Ausmaßes: 1880 betrug die Anzahl der Juden über 72.000, 1890 bereits 118.000 und um 1910 175.000. Der Höchststand wurde 1923 mit 201.500 Personen erreicht. Der Bevölkerungsanteil von Juden an der Gesamtbevölkerung Wiens stieg also von ca. 2,6% im Jahr 1857 auf über 10% im Jahr 1880 an.

3 Bis zur Mitte des 19. Jhdts. mußten Juden hauptsächlich jene ökonomischen Funktionen übernehmen, die als „unehrenhaft“ galten, also Handel und Geldverkehr (Kreditgeschäft). Die Diskriminierung nahm nach der Emanzipation ab. Aufgrund von Familientraditionen bzw. wegen geringerer Karrierechancen im öffentlichen Dienst bevorzugten Juden das Jus- und Medizin-Studium.

4 Lilly Gill-Spielmanns sehnlichster Wunsch ist, daß dieses Gemälde eines Tages wieder auftauchen möge. Mithilfe von Zeitungsartikeln und umfangreicher Korrespondenz versucht sie, Spuren des aus der Kaiservilla in Bad Ischl verschwundenen Bildes zu entdecken. Diesem Gemälde und dem Schicksal der beiden Töchter Leopold Spielmanns widmete z.B. die Tageszeitung „The Times“ vom 4. März 1996 unter dem plakativen Titel „Daughter hunts for painting of father who died under Nazis“ fast eine halbe Seite. Ein Folgeartikel aus der Feder des bekannten britischen Journalisten Bernard Levin im gleichen Blatt vom 15. 3. 1996 unter dem Titel „Masters from Germany. Descendants of victims and war criminals are cursed with the Nazi legacy - and so, of course, is Wagner“ verknüpft die Problematik der Opfer und Täter des NS-Regimes am Beispiel der Spielmanns und eines Lehrstuhls in Oxford („Flick Chair of European Thought“, den Dr. Gert Rudolph Flick, Enkel des „Täters“ Friedrich Flick, mit einer Spende von 350.000 Pfund ermöglicht hatte.

5 Zu besonderem Dank bin ich Mrs. Lilly Gill, geb. Spielmann, Bushey, und ihrer Schwester Ilse verpflichtet, die mir bereitwillig Einblick in ihre Familiengeschichte gaben und viele ungeklärte Fragen beantworten konnten. Herrn Mag. Markus Habsburg-Lothringen, Bad Ischl, der mir die Bekanntschaft mit den beiden Nichten Rudolf Spielmanns vermittelte, gilt ebenfalls mein herzlicher Dank.

6 Es handelt sich um die wortgetreue Abschrift eines Briefes, der sich im Besitz von Rolf Littorin, Stockholm, befindet. Ihm und Hans-Wilhelm Fink, Koblenz, über dessen Vermittlung ich den Brief erhielt, sei herzlich gedankt.

7 Ludvig Collijn (20. 11. 1878 - 4. 10. 1939) und sein Bruder Gustaf (11. 11. 1880 - 6. 11. 1968) waren die Förderer des schwedischen Schachs schlechthin. Über 40 Jahre hindurch organisierten sie Turniere und kümmerten sich auch um die nach dem ersten Weltkrieg Not leidenden Meister Österreichs und Deutschlands. So wurden Richard Réti, Akiba Rubinstein und Rudolf Spielmann engagiert, um den Eröffnungsteil für die vierte Auflage des Collijnschen „Lärobok i Schack“, 1921, zu verfassen, das eines der einflußreichsten Lehrbücher der zwanziger Jahre wurde.

8 Nach der schwedischen Version litt Rudolf Spielmann an einer Art Parkinsonscher Krankheit, die sich zuletzt stark verschlimmerte. Er wurde in das Asö-Krankenhaus eingeliefert, wo er starb. Die offizielle Todesursache lautete auf „Hypertonie und Cardiosclerosis“.